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Das mestre-Prinzip als Führungsinstrument

Die Arbeitswelt befindet sich im Wandel. VUCA, Digitalisierung, Agilität – Führungskräfte erfahren es gerade am eigenen Leib.

Zunehmender Dynamik begegnet man dabei am besten dynamisch. Trotzdem verlassen sich Unternehmen und Führungskräfte weiter auf die Starrheit fixer Pläne. Doch unsere Strategien vertragen hier einen guten Schuss Intuition. Lernen können wir dabei von Musikern.

 


Von Dirigenten und Führungskräften …

Gerade bin ich mal wieder mit dem Adagietto der 3. Abteilung von Gustav Mahlers 5. Symphonie in ungeahnte Sphären abgehoben. Nicht von dieser Welt. Vor allem, wenn Leonard Bernstein dirigiert … Irdisch und überaus handfest werden meine Gedanken aber, wenn ich Dirigenten von Symphonie-Orchestern mit heutigen Führungskräften vergleiche. Hier zeigen sich nämlich erstaunliche Parallelen: Beide sind hochkompetent, kenntnisreich und erfahren. Und beide folgen sehr detaillierten Plänen. Im Kontext der Dirigenten macht das durchaus Sinn, da die Welt der klassischen Musik im Allgemeinen ein abgeschlossenes System ist, das weder auf neue Informationen angewiesen ist noch sie zulässt. Werktreue nennt man das.

Keinen Sinn mehr aber machen detaillierte Pläne und das sture Festhalten daran in der offenen Welt von Führungskräften, in der Ereignisse durch immer mehr Informationen zunehmend nicht-linear und somit unvorhersehbar verlaufen, zugrundeliegende Daten falsifiziert, Pläne und damit Zielvorgaben zerlegt werden. Und trotzdem ändern wir unsere Methoden nicht. Unser Denken ist starr wie unsere Pläne. Agilität bleibt Wunschdenken.

Lernen vom Meister

Brasilianische Trommelorchester und ihre mestres (Dirigenten) sind da flexibler. Sie sind mit sehr dynamischen Verhältnissen vertraut. Denn sie spielen nicht im »saferoom« eines Konzertsaales, sondern in der freien Wildbahn der Straße, dort wo das Unvorhergesehene zu Hause ist. Sie sind Meister darin, Plan und Intuition zur erfolgreichen Strategie zu verweben. Dabei gehen sie wie folgt vor:

1. Die unterschiedlichen Instrumentenstimmen und Teile eines Musikstückes werden im Vorfeld festgelegt (Plan).

2. Die unterschiedlichen Teile/Komponenten werden nicht in einer vorab festgelegten und für alle Zeiten linearen Reihenfolge fixiert (wie bei einer Symphonie), sondern sind zunächst Optionen.

3. Zum Zeitpunkt der Performance werden diese dann im Moment und situativ, also an die herrschenden Rahmenbedingungen angepasst, zusammengesetzt und via vereinbarter Zeichen an das Trommelorchester kommuniziert.

4. In einer neuen Situation werden die bekannten Komponenten einfach neu kombiniert. Das braucht strategisch-intuitive Kompetenz des mestres einerseits und geistige Beweglichkeit der SpielerInnen andererseits.

Das lässt sich trainieren, erfordert aber Einsatz und Mut. Das Ergebnis sind Kreativität, Agilität und permanente Innovation.

Das mestre-Prinzip für Führungskräfte

  1. Legen Sie flexible Prozesskomponenten, nicht den fertigen Plan, fest.
  2. Verteilen Sie darin die einzelnen Aufgaben gemäß der vorhandenen Kompetenzen an Ihr Team.
  3. Legen Sie mit Ihrem Team Wege einer schnellen, effizienten Kommunikation fest.
  4. Werden Sie achtsamer und sensibler für Unvorhergesehenes. Schulen Sie Ihre Reaktionszeit.
  5. Kombinieren Sie die Komponenten situativ und sorgen Sie für reibungslose Übergänge.